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| Der Zivi im Rampenlicht |
Blitzlichtgewitter und Fragen über Fragen. Unser Zivildienstleistender David muss sich heute vorgekommen sein wie ein Prominenter.
Dass er bei der Arbeit von Journalisten und Fotografen begleitet wurde, lag aber schlicht daran, dass es sich bei David um
"einen der letzten seiner Art" handelt: Denn Wehr- und Zivildienst werden im Sommer bekanntlich abgeschafft. 9 Monate war David beim Mobilen Sozialen Hilfsdienst (MSHD) des Dienstleistungszentrums Huckelriede/Buntentor (Träger Caritas
Bremen). Dieses Angebot kann ohne Zivildienstleistende nicht mehr aufrecht erhalten werden und wird nun - nach 30 Jahren -
eingestampft. "Das ist ein Verlust für die Gesellschaft", sagt DLZ-Leiterin Gabriele Kleine-Kuhlmann. "Natürlich können die
Hilfebedürftigen Freunde bitten, Aufpreise an Supermärkte für Lieferungen zahlen oder ehrenamtliche Nachbarschaftshelfer anfragen.
Doch auch darüber hinaus gibt Bedarfe", so Kleine-Kuhlmann. "Die sind nicht abgedeckt." David half etwa 15 Menschen regelmäßig - ging mit ihnen oder für sie einkaufen, fuhr sie zum Arzt oder half ihnen beim Saubermachen.
David sprang aber auch ein, wenn jemand spontan mal anrief. "Er ist unkompliziert und ich kann mit ihm über alles reden",
lobt ihn einer seiner "Kunden". Der 72-jährige braucht seit einem Schlaganfall und Herzinfarkt vor fünf Monaten Davids Hilfe.
Er bekommt demnächst Hilfe von einer anderen Frau, was aber für ihn teurer ist. Außerdem sind spontane Einsätze schwieriger. David selbst ist an seinem letzten Arbeitstag etwas mulmig zumute. Für seine Kollegen hat der 20-jährige zum Abschied Süßigkeiten
mitgebracht. "Der Job war nicht schlecht", sagt er. "Ich konnte mich auf Prüfungen für ein Stipendium vorbereiten und mein
tägliches Fußball-Trainingsprogramm voll durchziehen." Mit Erfolg: im August geht er in die USA. Und er hat auch was gelernt,
sagt er: "Ich hatte gedacht, ältere Menschen meckern viel - das stimmt gar nicht." Die Anmeldungen für den Bundesfreiwilligendienst laufen schleppend. Der sechsmonatige Einsatz eines Freiwilligen wäre für
den Mobilen Sozialen Hilfsdienst ohnehin nicht in Frage gekommen. Wenn man Einarbeitungszeit, Bildungstage und Urlaub abzieht,
bleiben wenige Monate. Die Kunden müssten sich ständig an neue Gesichter gewöhnen. Nicht vorstellbar für die Organisatoren
des jetzt ehemaligen Mobilen sozialen Hilfsdienstes. Denn hier stand der Mensch im Fokus.
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| Zauberer bei der Mittwochsgruppe |
Jeden Mittwoch und das nun schon seit über 22 Jahren trifft sich die Mittwochsgruppe der Caritas und der katholischen Gemeinde
St. Johann, um gemeinsam etwas zu unternehmen und Spaß zu haben. Normalerweise in den Räumen von St. Elisabeth Kirche, wegen
Umbauten nun aber in der benachbarten evangelischen Auferstehungsgemeinde. Manche der Gruppenmitglieder kommen von weit her
mit dem Bus aus Lilienthal, andere nehmen die Straßenbahn oder kommen zu Fuß, so wie Seat Djerekarac, der ganz in der Nähe
in einer Wohngemeinschaft wohnt. Sind alle versammelt, dann wird zuerst einmal zusammen gegessen, erzählt und auch gesungen.
Aber gestern gab es dann noch ein besonderes Ereignis, denn der Zauberer Friedrich war zu Besuch in der Gruppe. Mit Zauberstab, Zylinder und Kartenspiel hat er die Gruppe begeistert. Eigentlich wollte Friedrich seine Zaubertricks verraten
und hat sie deshalb besonders gut erklärt, doch so einfach war das dann doch nicht. Egal ob kleine rote Elefanten sich plötzlich
verdoppeln, kurze Seile durch Schnipsen lang werden oder rote Tücher grün. Wer dachte mit einem Zauberstab sei all dies möglich
- der liegt falsch, wir wissen nun ein guter Zauberer braucht Zaubersalz! Die Zauberformel der Mittwochsgruppe ist wohl genau so einzigartig wie das zauberhafte Zaubersalz: 17 verschiedene Menschen,
mit unterschiedlichen Behinderungen, die zusammen eine lebensfrohe, liebevolle Gruppe ergeben, die eine Atmosphäre zum Wohlfühlen
mit familiärem Charakter schafft. Horst Böttcher ist einer von ihnen. Er ist sowohl Gruppenmitglied als auch Organisator.
So kümmert er sich nicht nur um die Kasse und die Organisation, sondern setzt sich auch ganz praktisch für die Gruppe ein:
vor einiger Zeit fehlte an der Haltestelle eine Abflachung für Rollstuhlfahrer; die hohe Bordsteinkante machte es unmöglich
dort mit dem Rolli oder der Gehhilfe herunter zu kommen. Horst Böttcher machte kurzer Hand ein Foto, schickte es an die zuständige
Behörde und schon bald war das Problem beseitigt. Aber auch die fünf ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen sind aus der Gruppe nicht wegzudenken. Sie kümmern sich liebevoll um die
Gruppenmitglieder. "Ich bin auch nach Feierabend für sie da. Und mich kann man auch nachts anrufen, wenn es ein Problem gibt oder einfach Redebedarf
besteht. Das Schönste ist aber, man geht hier so beschenkt nach Hause" sagt Angelika Morgner, die bereits über 22 Jahren dabei ist. Hauptamtlicher Organisator ist der Sozialpädagoge Tadeusz Treder,
der die Veranstaltungen und Ausflüge - gemeinsam mit den Ehrenamtlichen - organisiert und zu allen Mitgliedern einen guten
Draht hat. "Für viele Mitglieder ist die Mittwochsgruppe eine Möglichkeit aus den Heimen rauszukommen und hier in der Gemeinschaft sind
viele von ihnen erst richtig aufgegangen", sagt er. Ganz selbstverständlich konnte auch ich an der Gruppe teilnehmen, ohne Vorbehalte wurde ich aufgenommen und durfte Teil dieser
schönen Gemeinschaft sein. Wieso ist das nicht auch umgekehrt so, habe ich mich gefragt. Weshalb gibt es oft diese seltsame
Scheu oder viel mehr Unsicherheit gegenüber dem Umgang mit Menschen mit Behinderungen? - Ach es wäre toll, könnte man über
unsere Unsicherheit und Berührungsängste ein wenig Zaubersalz streuen!
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